Das Jahr 2021 endete mit einem Angriff auf die Türkisch-Islamische Gemeinde in Leipzig und das Jahr 2022 begann leider mit zwei Angriffen auf die Gebetshäuser in Chemnitz und Halle. Für viele betroffene Muslime ist dies traumatisierend und ein Schrecken so das Jahr zu starten.

Wir betonen nochmals, dass antimuslimischer Rassismus ein großes Problem ist und eine ernsthafte Gefahr für das Leib und Leben der Muslime darstellt. Die Angriffe müssen ein Ende haben und die Betroffenen müssen besser geschützt werden. Als plurale und offene Gesellschaft ist es unsere Pflicht gemeinsam dagegen vorzugehen und für den Zusammenhalt aller Menschen zu sorgen. Die polizeilichen und baulichen Schutzmaßnahmen müssen ausgeweitet werden. Die Träger sollten bei der Finanzierung von Sicherheitsmaßnahmen mit Förderprogrammen unterstützt werden.

Wir als Projekt Umut verurteilen die Angriffe auf die Gebetshäuser aufs Schärfste und fordern geeignete Maßnahmen zur Prävention solcher Angriffe. Unsere Solidarität gilt allen Betroffenen.

Mehr Raum für Moscheegemeinden

  Die Tatsache, dass viele Moscheegemeinden in Deutschland Platzmangel haben, ist nicht neu. So werden bei einigen Moscheegemeinden, beispielsweise in München, die Mietverträge nicht mehr verlängert, da diese zu sehr überfüllt sind und dadurch die Brand- und Sicherheitsmaßnahmen nicht mehr eingehalten werden können. Durch die Covid-19 Pandemie und die damit verbundenen Abstandsregeln hat sich der Platzmangel in den Gebetsräumen weiter verschärft. 

   

  Auch die Moscheegemeinden in Leipzig haben seit jeher mit unzureichenden Kapazitäten zu kämpfen. Ihren stetig zunehmenden BesucherInnen, vor allem beim Freitagsgebet, einen Platz für Ihre Religionsausübung zu bieten, stellt für viele eine große Herausforderung dar. Durch den Anstieg der MitbürgerInnen muslimischen Glaubens ist das Problem größer geworden: Die Kapazitäten der Moscheen sind gleichgeblieben während die begrenzten Strukturen zunehmend in Anspruch genommen werden. 

   

   

 Hinzu kam die Covid-19 Pandemie. Bei der Einhaltung der Corona-Verordnungen der sächsischen Staatsregierung zeigen die Gemeinden äußerste Sorgfalt, wodurch sich weitere Einschränkungen für die Gemeinden ergeben. Demzufolge kann nur ein Viertel der BesucherInnen in die Moschee aufgenommen werden. Infolgedessen fallen auch die Spenden aus, womit die Gemeinden ihre Mieten, Nebenkosten und sonstige Kosten abdecken. 

   

 Den Moscheegemeinden wird zudem vorgeworfen, dass sie sich in Hinterhöfen verstecken und nicht bereit sind öffentlich sichtbar und zugänglich zu sein. Dieser Vorwurf ist jedoch unter anderem dem Fakt geschuldet, dass Moscheen häufig nur Grundstücke am Stadtrand oder im Industriegebiet gewährt werden und sie dadurch unsichtbarer gemacht werden. Die Moscheen in den Stadtzentren, die als „Hinterhofmoscheen“ abgestempelt werden, haben dagegen meist nur sehr enge Räumlichkeiten um sich frei zu entfalten. Auf der anderen Seite werden Hinterhofmoscheen von den BesucherInnen aufgrund ihrer ruhigeren Lage als warme und friedliche Orte beschrieben, an denen sie sich wohl fühlen und nach dem Gebet zur Ruhe kommen können. 

   

 Moscheen sind nicht nur ein Ort für die Freitagsgebete, sondern auch ein Ort der Begegnungen und des Austauschs. So suchen geflüchtete und zugezogene MuslimInnen auch in Leipzig neue Kontakte und möchten sich schnellstmöglich als Teil der Leipziger Gesellschaft fühlen. Diese Anstrengungen zur gesellschaftlichen Teilhabe werden zwar durch diverse Pilotprojekte strukturell gefördert, dennoch fehlt es weiterhin an größeren Räumlichkeiten sowie an öffentlicher Wahrnehmung, um als zivilgesellschaftliche PartnerInnen angemessen agieren zu können. 

   

 Trotz dieser widrigen Umstände gibt es diverse Beispiele für gesellschaftlich aktive Moscheen. Eines davon ist die Al-Nour Moschee in Hamburg, die aus einer Kirche in eine Moschee umgebaut wurde. Neben den zu erwartenden negativen Meinungen gab es aber auch viel Zuspruch und vielseitige Unterstützung beispielsweise vom ehemaligen Pastor und von den Kirchenmitgliedern. In dem Sinne erfüllt die neue Moschee weiterhin ihre Bestimmung als ein Gotteshaus. 

   

 Um den Raummangel für muslimische MitbürgerInnen zu begegnen, könnten Stadtverwaltungen bestehende Grundstücke oder leerstehende Gebäuden freistellen oder von PrivatanbieterInnen abkaufen und an die Gemeinde weiterverkaufen oder vermieten. Dies wurde beispielsweise in Monheim am Rhein umgesetzt, wo die Stadtverwaltung Grundstücke für den Moscheebau für zwei Moscheegemeinden zur Verfügung gestellt hat. Obwohl dieser Beschluss bundesweit für Aufsehen sorgte, wurde nicht nachgegeben und der Bau konnte 2018 beginnen. 

   

 Die Moscheen benötigen die Unterstützung der Stadtverwaltung und der Öffentlichkeit. Nur so wird der gesellschaftliche Zusammenhalt gefördert und das Potenzial einer pluralen und vielseitigen demokratischen Gesellschaft ausgeschöpft. 

   

 Im Rahmen des Projekts „Umut – muslimische Gemeinden als kommunale Akteure“ unterstützen wir die Gemeinden bei Ihren Bedürfnissen und suchen gemeinsam nach Lösungswegen. 

Januar 2021

Übergriffe auf Moscheegemeinden 

Rassistisch, Hass, und politisch motivierte Übergriffe gehören weiterhin zum Alltag vieler Moscheegemeinden in Deutschland. Laut der Antwort der Bundesregierung auf eine große Anfrage der Linksfraktion im Jahr 2019 wurden 184 Angriffe registriert. Die Dunkelziffer ist jedoch viel höher. Derartige Angriffe werden erst seit 2017 gesondert erfasst. Dies bedeutet, dass langfristige Trends und Entwicklungen noch unentdeckt bleiben. Auch in Leipzig bleiben derart Angriffe nicht aus. Laut #Brandeilig, eine Initiative die sich darauf spezialisiert Übergriffe auf Moscheegemeinden kartographisch zu erfassen, gab es von 2014-2020 (das laufende Jahr) 15 Fälle Leipzig, zuletzt im April dieses Jahres.


 Die Arten der Übergriffe variieren von Drohungen, Sachbeschädigungen, Brandstiftung, rassistischen und volkshetzerischen Schmierereien, Vandalismus bis hin zu Körperverletzung.


 Solche Übergriffe sind nicht nur mit emotionaler Last für Betroffene und Einrichtungen versehen. Die entstehenden Schäden sind auch verbunden mit großen finanziellen Belastungen, welche unzumutbar sind für Gemeinden, die meist mit überschaubaren Mitgliedsbeiträgen und Spendengeldern über die Runden kommen müssen.


 Auch das Melden der Übergriffe ist nicht frei von Hindernissen. Zum einen kritisieren Gemeinden den Umgang der Behörden mit dem Thema. So werden betroffene Moscheen oft nicht genügend informiert und in Folge eines Angriffes häufig nicht auf dem Laufenden gehalten. Zum anderen können viele der erfassten Übergriffe, durch die eingeschränkte Beweislage und Ressourcen öffentlicher Behörden, nicht aufgeklärt werden, was Nachahmer ermutigen kann.


 Gemeinden beklagen das Fehlen eines Sicherheitskonzeptes seitens der Polizei und den zuständigen Behörden. Zumal das Desinteresse und die Verharmlosung solcher Angriffe viele Gemeinden demotiviert diese zu melden.

   

Hier ist es wichtig Islamfeindlichkeit und Rassismus mit der nötigen Ernsthaftigkeit zu entgegnen. Das bedeutet die Relativierung solcher Angriffe zu verhindern und eine proaktive Haltung einzunehmen, welche Moscheegemeinden den nötigen Schutz vor Übergriffen gewährleistet.


 Dies erfordert eine höhere Sensibilisierung seitens Behörden und Gesellschaft. Somit können Angriffe adäquat zugeordnet und behandelt werden. Außerdem ist es signifikant Angebote zu schaffen, welche Moscheegemeinden angesichts solcher Übergriffe unter die Armen greifen, sowohl finanziell als auch mit der nötigen Solidarität.


 Moscheegemeinden dürfen in Zeiten von Unsicherheit und Bedrohung nicht in dem Druck solcher Taten verfallen. Im Gegenteil, ein gestärktes und selbstbewusstes Auftreten, wirkt dämmend gegen die Verunsicherung innerhalb der eigenen Community.

November 2020